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Khatera im Asyl
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         Darmstädterecho, Freitag, 24.09.2010 Seite 20

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Khatera im Asyl

 

 

Interkulturelle Woche Neun Jahre nach der Flucht vor den Taliban sucht die Familie Taymuree ihre Chance in Deutschland, denn eine Rckkehr scheint unmöglich.

 

VON MEIKE MITTMYER

 

MÜNSTER. ,, 1992 ist mein Opa bei Kämpfen getötet worden. Ein Jahr später kam mein ältester Bruder bei einem Raketenangriff ums Leben." Khatera Taymuree (17) spricht ganz ruhig und sachlich und in akzentfreiem Deutsch, als erzählte sie historische Fakten. Dabei ist es ihre eigene, bewegende Geschichte aus ihrer Heimat Afghanistan, die die siebzehnjährige Gymnasiastin der Schule auf der Aue im Veranstaltungsraum der Seniorenwohnanlage präsentiert.

Familie Taymuree musste aus Kabul fliehen, weil die Taliban erfahren hatten, dass Mutter Mariam Mädchen heimlich im Schneider unterrichtete und ihnen nebenbei Lesen und Schreiben beibrachte - fr das islamitische Regime untolerierbar. Das Haus der Familie wurde gestrmt, die Mutter in Haft genommen. Der Vater konnte sie gegen eine Kaution freikaufen, doch stattdessen wurde er festgehalten. Nur der Mutter und den vier Kindern gelang die Flucht versteckt in einem Minibus nach Pakistan und von dort aus nach Deutschland. Seitdem wohnen die Taymurees in Eppertshausen - und vom Vater fehlt bis heute jede Spur.

 

"Bisher waren alle Versuche erfolglos"

 

"Wir hoffen natrlich immer noch, dass wir eines Tages Kontakt mit ihm aufnehmen können", sagt die junge Referentin, während auf der Leinwand hinter ihr alte Bilder aus glcklichen Familien tagen aufflackern Hochzeitsbilder ihrer Eltern. Fotos von sich und ihren Brdern als Kleinkinder in Kabuls Straßen. "Aber bisher sind alle Versuche erfolglos geblieben." Nicht nur ihre Mutter Mariam, die im Publikum sitzt, ist in diesem Augenblick tief bewegt. Die rund 20 Zuschauer sind ganz still geworden und betrachten betreten, aber zugleich zutiefst verwundert ber den Mut dieses Mädchens die Bilder auf der Leinwand.

 

Mit "Afghanistan - Land und Kultur" war die Veranstaltung berschrieben, zu der Hlya Lehr vom SPD-Ortsverein Mnster im Rahmen der Interkulturellen Woche eingeladen hatte. Ziel war es, das "Freinander Einstehen zu betonen und sozialer Ausgrenzung eine Absage zu erteilen." In Zeiten scharfer Integrations-Debatten ist die Geschichte der Familie Tayrnuree dabei geradezu ein Paradebeispiel fr gelungene gesellschaftliche Eingliederung.

Fr Carmen Zimmer vom Integrationsbro des Landkreises ist klar, warum: .Die Familie hat sich direkt nach ihrer Ankunft in Deutschland in die Gesellschaft eingebracht: in Kindergärten, Schulen und ins Arbeitsleben. Außerdem haben sie auch schon aus ihrer Heimat Bildung mitgebracht - die beste Voraussetzung, hier daran anzuknpfen. "

 

Der Abend klingt mit Diskussionen bei afghanischen Schwarztee, selbst gemachtem .Nan" -Brot und "Panir" Käse aus. Die kulinarische Tradition ist mit das einzige, was der Familie aus ihrer Heimat geblieben ist. Eine Rckkehr scheint ihr unmöglich. Obwohl der Westen seit Jahren gegen die Taliban kämpft und in Afghanistan vergleichsweise Freizgigkeit herrscht, frchtet Khatera, sie werde bei ihrer Rckkehr" wahrscheinlich sofort verhaftet".

 

Dafr ergreifen die Tayrnure es in ihrer neuen Heimat Deutschland alle Chancen, die sich ihnen bieten. Der ältere Bruder hat gerade sein Studium begonnen, ein weiterer Bruder ist auf der gymnasialen Oberstufe, und auch Khatera hat eine klare Vorstellung von ihrer Zukunft:

"Ich mache Abitur und will da nach Wirtschaftswissenschaft studieren."

 

 

۱٢٩                     ی ۱۳۸٩  یی         ǘ ٢٠۱٠